Die Schnabelforelle

Ein in schnell fließenden Datenstömen heimischer Netzfisch

Kulturschock

June4

Wenn in der Zukunft eimal unsere Nachforger dir Trümmer unserer Ziviliation erforschen und dabei auf die Überbleibsel unseres Rechtssystems stroßen, dann werden sie voller Mitleid sagen: “Anwälte – ach ja. Sowas hatten wir ja auch mal. Aber seit wir herausgefunden haben, dass sie am Untergang der Kutur unserer Vorgänger beteiligt waren, haben wir sie alle hingerichtet. Es ist eben doch wichtig, dass man aus seiner Vergangenheit lernt.” (sinngemäß zitiert von Kai)

Mit Kulturgütern wie Filmen, Theater und Musik hat es sich bisher doch immer so verhalten, dass sie davon gelebt haben, unter den Menschen verbreitet zu werden. Was nutzt uns die schönste Melodie, wenn niemand sie kennt? Und wären Personen wie Shakespaere, Gouethe oder Brecht wohl jemals so berühmt geworden, wenn niemand ihre Stücke hätte sehen dürfen? Letztlich haben doch alle, die an Kultur teilnehmen auch etwas davon. Die Künstler, weil sie sich verwirklichen können und die Menschen, weil die Kunst ihr Leben bereichert (sofern sie denn gefällt, aber das ist wohl Geschmacksache).

Kultur bedeutet so viel wie etwas pflegen oder etwas ausbilden ( Quelle: Ethymologisches Wörterbuch). Wie aber können wir etwas kultivieren, wenn wir den Umgang mit Kulturgütern so wiet einschränken, dass die Pflege und Ausbildung von Kultur kaum noch möglich ist? Die Content-Industrie scheimt beim vermarkten von Kultur irgendwie vergessen zu haben, wovon sie eigentlich lebt: Nämlich vom Einfallsreichtum und der Kreativität von Menschen.

Stattdessen versucht die Content-Industrie bestmöglich, sämtliche Kretaivität und Einfallsreichtum zu unterbinden, indem mit allen Mitteln die Verbreitung von Kulturgütern rechtlich unterbunden wird. Der sogenannte “3. Korb der Unrheberrechtsreform” (TM), ist der nächste Angriff auf unsere Kultur. In diesem Film ist auch eindrucksvoll zu sehen wieso:

Nostalgie zum Mauerfall

November9

“Stellt euch mal vor, es ist Arbeit und keiner geht hin.”

Diese recht linksradikal angehauchte parole scheint derzeit wieder in Mode zu kommen. So zumindest urteilt der Spiegel, der heute über die Ergebnisse einer Umfrage berichtet, die in 27 Ländern weltweit durchgeführt wurde. Bei der Umfrage ging es darum, wie zufrieden die Menschen mit ihrem jeweiligen Wirtschaftssystem, dem Kapitalismus, sind und was sie ändern würden.

Es dürfte klar sein, warum dieser Artikel ausgerechnet am 20sten Jahrestag des Mauerfalls veröffentlicht wird. Immerhin markierte dieses Ergeignis doch vermeintlich den Sieg der freien Marktwirtschaft über die Planwirtschaft. Nun, 20 Jahre “danach” also rufen viele Menschen weieder nach stärkerer Regulierung der Wirtschaft durch den Staat und eine gleichmäßigere Verteilung des Wohlstandes in der Gesellschaft.

Auslöser für diesen Kurswechsel ist unter anderen sicherlich die KRISE. Ob das der einzige Grund dafür ist, dass so viele Menschen unzufreiden sind, bezweifle ich aber. Ich denke vielmehr, dass es ohnehin immer eine gewisse “Grundunzufreidenheit” mit dem gerade vorherrschenden System gibt. Die leute wollen eben immer genau das, was sie gerade nicht haben. Außerdem gab es ja auch im kapitalistischen Alltag immer linke Strömungen, die sich für den Sozialismus eingesetzt haben.

Wenn in der Umfrage auße nach bloßer Unzufriedenheit gefragt worden wäre, was sich denn ganz konkret ändern müsse, wäre die Ausbeute an Vorschlägen auch sicherlich eher mau ausgefallen. Einen Sozialismus wie in der Sowjetunion wollen die Menschen dann nämlich auch wieder nicht.

Die Frage ist also, wie aussagekräftig diese Studie, die ausgerechnet zum 20stem Jubiäum des Mauerfalls veröffentlicht wird, wirklich ist. Mit Sicherheit hat es durch die KRISE einen allgemeinen Stimmungswandel gegeben. Doch, ob der Leidensdurck wirklich für einen nachhaltigen Stimmungswechsel reicht möchte ich zumindest für Deutschland stark bezweifeln. Dazu fehlt hierzulade erstens eine ordentliche Protestkultur und außerdem haben wir ja auch schon schlimmere Zeiten durchgestanden. Nicht wahr!?

Nie wieder Bullshit?

October29

Die KRISE ist da! Nichts Neues soweit? Für alle Freunde der seichten Unterhaltung vieleicht schon. Wegen der rückläufigen Werbeeinnahmen wollen Sat1 und Pro7 jetzt “unabhängiger von Werbeeinnahmen werden”. (Quelle: http://www.stern.de/kultur/tv/bezahl-statt-werbefernsehen-prosieben-und-sat1-kuenftig-nur-noch-gegen-gebuehr-1517591.html)

Bis in 5 Jahren wollen die Privatsender 30% ihrer Einnahmen aus anderen Quellen beziehen als der Werbung. Außerdem sollen mehr eigene Sendungen produziert und dann an andere Sender verkauft werden. Mit anderen Worten: Das bekanntlich sehr erfolgreiche Modell des Pay-TV soll nun nicht nur im Bereich Fußball zu herben Verlusten führen, sonden jetzt auch das tägliche Hintergrundrauschen bezahlpflichtig machen.

Wie wichtig uns Stefan Raab und Oliver Pocher tatsächlich sind, wird sich noch zeigen müssen. König Fußball zumindest war ja auch den wenigsten 10 Euro extra im Monat wert. Auch wenn es den Senderchefs vielleicht nicht gefällt: Wenn schon niemand für die Champions League zahlen will, dann wird erst recht niemand eure Hightlights wie “Barbara Salesch”, “Frauentausch” oder “Schlag den Raab” ernsthaft vermissen.

Ich persönlich freue mich schon auf den Tag, an dem Privatfernsehen nurnoch per decoder empfangbar wird. Dann gibts auf der Couch wieder mehr Zeit für Zweisamkeit und am Küchentisch enldich mehr Zeit, sich zu unterhalten.

In der restlichen Zeit werde ich dann das Geld, das ich beim Fernsehen “gespart” habe, in Kneipen und Kino investieren und somit wesentlich mehr schöne Abende als vorher. Die KRISE sorgt für schönere Aendgestaltung unter der Woche. Es ist eben doch nicht alles schlecht.