Es trifft immer die Richtigen
Wenn wir Entscheidungen treffen, dann tun wir dies meistens auf Basis unserer persönlichen Werte. Wir wägen sie gegeneinander ab und hoffen, damit für uns oder andere das Richtige getan zu haben. Manchmal stehen wir aber auch vor Entscheidungen, durch die wir ganz neu überlegen müssen, was uns im Leben besonders wichtig ist.
Ich bin vor allem Anderem gerne zuhause. Zuhause, das ist dort, wo meine Familie ist, mein Freund und meine Freunde. Zuhause ist für mich der wichtigste Ort im Leben, weil ich dorthin heim kehren kann, wenn ich mich mal verlaufe. Und obwohl ich auch gerne verreise, um mal etwas neues zu sehen, kehre ich danach umso lieber heim. Zuhause werde ich vermisst, wenn ich mal nicht da bin, weil es dort Menschen gibt, denen ich wirklich wichtig bin. Wenn ich nicht zuhause bin, dann fehlt etwas und dort wo ich bin fehlt mir mein Zuhause. Es sind zwei Dinge, die irgendwie zusammen gehören. Ich bin am liebsten dort, wo die Menschen sind, die mir besonders am Herzen liegen. Von allen schönen Orten auf dieser Welt gibt es nur einen, an dem ich mich vollständig fühle. Und dieser Ort ist hier – zuhause eben.
Und weil das so ist, bin ich kein Verfechter von Auslandssemestern. Es kommt mir vor, wie ein freiwilliges Muss für alle Lebenslauf-Komponisten. Ich soll also ein halbes Jahr irgendwo hin gehen und alles was mir lieb und teuer ist zurücklassen. Das sieht mir mehr nach einer emotionalen Fastenkur aus, als nach einer sinnvollen Maßnahme. Leute, die Dinge einfach tun, ohne sich nach dem tieferen Sinn zu fragen, sind wahrscheinlich nicht nur bei meinem ehemaligen Arbeitgeber beliebt.
So kam es, dass ein Professor ausgerechnet mir eine Masterarbeit in Norwegen angeboten hat. Mit guter Betreuung, Erasmus-Stipendium, Publikation und einem sehr interessanten Thema. Kein x-beliebiges Partysemester für Lebenslauf-Komponisten, sondern was handfestes mit echtem Mehrwert. Da passen die alten Maßstäbe nicht und ich muss mich ernsthaft fragen, ob ich Zuhause 6 Monate verlassen will, um diese Chance wahrzunehmen. Das würde bedeuten, meinen Freund nicht mehr jeden Tag zu sehen. Vielleicht sogar nur einmal alle 2-3 Wochen. Und Familie und Freunde auch nicht. Ich würde wahrscheinlich alle ziemlich vermissen.
Im Grunde kann ich bei der ganzen Sache aber nur gewinnen. Das Angebot ist wirklich super. Geld ist kein Problem und alles Weitere kann organisiert werden. Der Preis für all das, nämlich weg zu gehen, ist hoch. Trotzdem ist so eine Masterarbeit ja glücklicherweise nicht von allzu großer Dauer. Im Grunde reden wir hier von 6 Monaten. Selbst wenn ich dort im schlimmsten Fall totunglücklich bin, kann ich am Ende glücklich und mit einer allen Erwartungen nach tollen Masterarbeit heim kehren. Und das wiederum würde ich wirklich gerne tun.






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