Die Schnabelforelle

Ein in schnell fließenden Datenstömen heimischer Netzfisch

Es trifft immer die Richtigen

May12

Wenn wir Entscheidungen treffen, dann tun wir dies meistens auf Basis unserer persönlichen Werte. Wir wägen sie gegeneinander ab und hoffen, damit für uns oder andere das Richtige getan zu haben. Manchmal stehen wir aber auch vor Entscheidungen, durch die wir ganz neu überlegen müssen, was uns im Leben besonders wichtig ist.

Ich bin vor allem Anderem gerne zuhause. Zuhause, das ist dort, wo meine Familie ist, mein Freund und meine Freunde. Zuhause ist für mich der wichtigste Ort im Leben, weil ich dorthin heim kehren kann, wenn ich mich mal verlaufe. Und obwohl ich auch gerne verreise, um mal etwas neues zu sehen, kehre ich danach umso lieber heim. Zuhause werde ich vermisst, wenn ich mal nicht da bin, weil es dort Menschen gibt, denen ich wirklich wichtig bin. Wenn ich nicht zuhause bin, dann fehlt etwas und dort wo ich bin fehlt mir mein Zuhause. Es sind zwei Dinge, die irgendwie zusammen gehören. Ich bin am liebsten dort, wo die Menschen sind, die mir besonders am Herzen liegen. Von allen schönen Orten auf dieser Welt gibt es nur einen, an dem ich mich vollständig fühle. Und dieser Ort ist hier  – zuhause eben.

Und weil das so ist, bin ich kein Verfechter von Auslandssemestern. Es kommt mir vor, wie ein freiwilliges Muss für alle Lebenslauf-Komponisten. Ich soll also ein halbes Jahr irgendwo hin gehen und alles was mir lieb und teuer ist zurücklassen. Das sieht mir mehr nach einer emotionalen Fastenkur aus, als nach einer sinnvollen Maßnahme. Leute, die Dinge einfach tun, ohne sich nach dem tieferen Sinn zu fragen, sind wahrscheinlich nicht nur bei meinem ehemaligen Arbeitgeber beliebt.

So kam es, dass ein Professor ausgerechnet mir eine Masterarbeit in Norwegen angeboten hat. Mit guter Betreuung, Erasmus-Stipendium, Publikation und einem sehr interessanten Thema. Kein x-beliebiges Partysemester für Lebenslauf-Komponisten, sondern was handfestes mit echtem Mehrwert. Da passen die alten Maßstäbe nicht und ich muss mich ernsthaft fragen, ob ich Zuhause 6 Monate verlassen will, um diese Chance wahrzunehmen. Das würde bedeuten, meinen Freund nicht mehr jeden Tag zu sehen. Vielleicht sogar nur einmal alle 2-3 Wochen. Und Familie und Freunde auch nicht. Ich würde wahrscheinlich alle ziemlich vermissen.

Im Grunde kann ich bei der ganzen Sache aber nur gewinnen. Das Angebot ist wirklich super.  Geld ist kein Problem und alles Weitere kann organisiert werden. Der Preis für all das, nämlich weg zu gehen, ist hoch. Trotzdem ist so eine Masterarbeit ja glücklicherweise nicht von allzu großer Dauer. Im Grunde reden wir hier von 6 Monaten. Selbst wenn ich dort im schlimmsten Fall totunglücklich bin, kann ich am Ende glücklich und mit einer allen Erwartungen nach tollen Masterarbeit heim kehren. Und das wiederum würde ich wirklich gerne tun.

Mundtot – aftermath

May6

Gestern war ein ebenso unproduktiver wie turbulemnter Tag. Der gestern schon hier beschriebene und kommentierte Forumspost und die anschließende Diskussion darüber am Fachbereich haben bis gestern Abend noch die Gemüter erhitzt.

Das Forum ist nun wieder online und der Thread des Astroßes existiert noch. Auch die zitierte Email kommt in anonymisierter Form immmernoch darin vor. Die Diskussion im Thread bewegt sich auch weiterhin auf einem sachlichen Level, den sie meiner Meinung nach nie verlassen hat.

Heute morgen lag eine Email von einem der klagewilligen Professoren in meinem Postfach. Darin wird ganz ausführlich aus dem Datenschutzgesetz und dem Grundgesetz zitiert. Er möchte uns damit wohl zeigen wie sehr der postende Student im Unrecht war. Natürlich wird er nur die Passagen zitiert haben, die seine Meinung untermauern. Mich persönlich überzeugt das wenig, denn auch in einer anonymisierten Form hätte dieser Post für viel Aufsehen gesorgt. Der klagende Prof hätte seine eigene Aussage ja schließlich auch darauf wiedererkannt und sich darüber aufgeregt.

Nun soll sich also die Fachschaft beim Dekanat und den Profs entschuldigen. Und zwar in hochoffiziellem Ramen bei der kommenden Fachbereichratssitzung. Wie ich einige der Kollegen in der Fachschaft kenne, werden sie das wohl auch machen. Ich jedenfalls werde mich für garnichts entschuldigen. Auch im Namen der Fachschaft fühle ich mich nicht verantwortlich, weil die Fachschaft bei der ganzen Geschichte überhaupt keine Schuld trifft. Wir haben die Anweisungen des Dekanats doch bereitwillig befolgt und sind den Profs und dem Dekanat damit sogar noch entgegen gekommen. Wofür sollte sich also ausrerechnet die Fachschaft bei dieser ganzen Sache entschuldigen? Weder die Profs noch das Dekanat hat sich hier wirklich um Deeslakation bemüht. Die einzigen, die kleinbei gegeben haben, ist die Fachschaft. Und dafür soll sie sich jetzt auch noch entschuldigen?

Der Titel “Passwort Frace” passt ja inzwischen in mehrerer Hinsicht. Nicht nur, dass Skripte nicht frei zugänglich gemacht werden, sondern auch die völlig sinnlose AUfregung über eine Nichtigkeit. Der Kommentar des Studenten war zwar provozierend, aber nicht beleidigend. Außerdem bleibt es eine Tatsache, dass die in der Mail zitierten Aussagen der Wahrheit entsprechen. Nicht nur der Umgang mit Passwörtern selbst ist eine Farce, sondern die ganze Diskussion darum gleich mit.

Eigentlich geht es hier doch nur darum, dass am Ende irgendwer schuld sein muss. Als Schuldeingeständnis soll der reumütige Schuldner dann öffentlich an den Pranger treten und sich in aller Form entschuldigen. Völlig egal, ob er nun tatsächlich allein schuldig ist oder nicht. Auf diese Weise werden ja nicht nur fachbereichsinterne Diskussionen beendet, so läuft es auch im “big business”. Einer muss seinen Kopf eben hinhalten.

Mundtot

May5

Es ist noch garnicht so lange her, da hab ich mich hier über Zensur und das Internet geäußert. Es ging um einen russischen Milliadär, der sich seine Unschuld an einem tödlichen verkehrsunfall erkaufen wollte und darum, ob Google in China bleiben wird oder nicht. All diese Dinge scheinen irgendwie weit entfernt und ich dachte immer: “Naja, andere Länder – andere Sitten. Sowas passiert bei uns ja zum Glück nicht mehr”. Einmal mehr muss ich mich selbst korrigieren:

Gestern Nachmittag fand eine Fachbereichsratssitzung an der Hochschule statt. Ein Tagesordnungspunkt dieser Sitzung war die Frage, ob Professoren ihre Skripte frei zugänglich machen sollten oder zumindest ein einheitliches Passwort dafür zu verwenden. Dieses Thema wurde etwa eine Stunde lang diskutiert, bis das Dekanat die Diskussion abgebrochen und einen Beschlussvorschlag zur Abstimmung gestellt hat. Der Antrag wurde abgelehnt. Während der Diskussion hat ein Student eine Auswahl der Argumente, die in der Diskussion angeführt wurden, mitgeschrieben und sie im studentischen Verteiler veröffentlicht. Bei jedem Argument war der Name desjenigen zu lesen, der es in die Diskussion eingebracht hatte. Ein anderer Student fand die Argumente der Professoren, die in dieser Email zu lesen waren so lächerlich, dass er im Forum der Fachschaft eine Diskussion gestartet hat, in der die Email des anderen Studenten vollständig (also inklusive der namen der Professoren) zitiert wurde.

Natürlich wurde diese Diskussion nicht zuletzt deswegen verfasst, um zu provozieren. Andererseits ist das Fachschaftsforum aber auch genau dazu da, solche Dinge zu diskutieren. Da dieser Thread einen Viewecount von fast 500 hatte, scheint es ja auch durchaus einen Diskussionsbedarf zum Thema “Passwortschutz für Skripte – Ja oder nein” zu geben. Einige der indirekt zutierten Professoren fühlten sich jedoch so missverstanden, dass sie im Dekanat ordentlich Druck gemacht haben. Zwei Professoren haben der Fachschaft sogar mit einer Klage wegen Verleumdung gedroht. Und das wohlgemerkt obwohl der Student, der diesen Thread gestartet war, garkein aktiver Fachschaftler ist. Da wir im Forum nicht die verantworten für alles Gepostete übernehmen können und darauf auch explizit hinweisen, hätte eine solche Klage also vermutlich wenig Chancen. (aber vielleicht liest dies hier ja auch ein Jurist, der mich aufklären möchte)

Heute Mittag schließlich kam der Dekan in die Fachschaft und hat uns aufgefordert, das Forum umgehend abzuschalten. Falls nicht würde er uns dazu zwingen, den Stecker für den Server zu ziehen. Zu meinem persönlichen Bedauern haben sich die zwei Leute, die zu diesem Zeitpunkt in der Fachschaft waren, davon beeindrucken lassen und das Forum mit dem Hinweis “Auf Anweisung des Dekanats ist das Forum aktuell offline” gesperrt. Nun haben sich also alle drei Parteien irgendwie lächerlich gemacht. Die zwei Profs mit ihrer völlig überzogenen Reaktion, die Fachschaft weil sie sich vom Dekanat bevormunden und einschüchtern lässt, und das Dekanat weil die Studenten (repräsentiert durch die vielen Posts im Forum) mundtot gemacht wurden.

Von wegen Zensur und Bevormundung gibt es bei uns in dieser Form nicht mehr. Offensichtlich wird sie praktiziert und es ist nicht einmal irgendjemandem Peinlich. Das Forum (http://forum.fbihome.de/) ist von überall her abrufbar und jeder kann sich einen Account machen. In genau diesem Kusammenhang wird immer wieder das Killerargument gebracht, dass Arbeitgeber sowas ja finden, es negativ bewerten und einen deswegen nicht einstellen. Dass es genau diese Dinge sind, mit denen man nicht nur sich selbst, sondern den kompletten Fachbereich (Im Falle der Profs also einen Arbeitgeber) ins Abseits befördert, ist vor lauter Angst vor einen schlechten Ruf im Internet wohl irgendie ins Hintertreffen geraten. Dabei waren die Zitate nicht einmal falsch. Sinngemäß haben die Betroffenen das wirklich so gesagt. Der Hund, der bellt ist eben immer auch derjenige, der gemeint ist. Und Hunde die bellen, beißen nicht.

God s(h)ave the Queen…

March2

Der erste ganze Tag hier in Cambridge ist jetzt um. Er fing früh an und hat erst ziemlich spät wieder aufgehöt. Dazwischen lag ein langer Tag voll neuer Eindrücke, neuer Leute und vielen interessanten Diskussionen und Gesprächen. Heute Abend bin ich ungefähr so müde wie nach dem Wackeligen Flug durch Xynthia. Das Sturmtief hat unser Flugzeug vor Allem beim Start und bei der Landung ordentlich durchgeschüttelt.

Unser Apartment ist wirklich super. Es ist eine komplett ausgestattete Wohnung mit Splülmaschine und Herd. Alles ist recht neu, sodass es auch wirklich modern und gemütlich aussieht. Allzu viel Zeit die schöne Wohnung zu genießen, wird aber wohl auch im Velauf der restlichen Woche nicht sein. Wir haben arbeitsmäßig noch einiges auf dem Programm stehen. Aber andererseits: Sowas Dekadentes wollte ich mir schon immer mal leisten :) KingsCollege2_resize

Ebenso dekandent war das Mittagsessen im Kings College. Wer schon immer mal in einem Gebäude essen wollte, das aussieht wie eine gothische Kirche, der ist hier genau richtig. Die Fenster sind mit verschiedenen Wappen bemalt, die Decken sind aufwendig verziert und die Wände schmücken Portraits von verschiedenen Wissenschaftlern. Im Prinzip sieht es aus wie in den Harry Potter Filmen. Auch wenn das Essen nicht überragend war – diese Atmosphäre entschädigt für einiges. Es ist irgendwie ein erhabenes Gefühl, dort zu essen, wo auch Alan Turing mal gesessen hat.

Überhaupt ist die ganze Universität in Cambridge vollgestopft mit Geschichte. Im Raum unter Uns haben Crick und Watson gearbeitet. Die zwei Jungs entdeckten 1952, dass DNA eine Helix-Struktur hat. Ein Gebäude weiter arbeitete James Clerk Maxwell. Den Freunden der Physik dürften die nach ihm benannten Gleichungen ja ein Begriff sein. :)

Leider bin ich heute Mittag nicht dazu gekommen, das schöne Wetter für ein paar Fotos zu nutzen. Da mir das aber sonst keiner glaubt, habe ich später nochmal eine Runde zwecks Beweisaufnahme gedreht. Morgen mache ich ein paar  bessere Bilder.

Zeichen und Wunder

December8

Ja, ist denn schon wieder Weihnachten? Gerade diese Jahreszeit soll ja prädestiniert sein, für eben solche unerwarteten Erscheinungen, die auch ganz gerne als Wunder bezeichnet werden. Im Gegensatz zum letzen Jahr bin ich sogar richtig in Weihnachtsstimmung und kann ich über die Lichter auf den Straßen, den Glühwein und sogar über die Lebkuchen freuen.

Von letzteren habe ich heute auch einige gebraucht, um zu meiner persönlichen Erkenntnis des Tages zu gelangen: Alles was an der TU so über Berechenbarkeit und Komplexitätstheorie erzählt wurde, ist nicht einmal halb so mystisch wie es aussieht. Ich würde sogar soweit gehen, dass Zauberformeln wie Turing-Berechenbarkeit und Zeitkompression nichts weiter sind, als die komplizierte Formulierung völlig logischer und in sich schlüssiger Sachverhalte.

Im Nachhinein weis ich gar nicht mehr so genau, woran ich mir eigentlich 4 Semester lang die Zähne ausgebissen habe, nur um dann doch herausgeprüft zu werden. Alles was ich dazu gebraucht habe, war neue Motivation, einen Prof. den es interessiert ob ich etwas verstehe oder nicht und etwas Zeit und Übung.

Und jetzt wo ich es verstanden habe, macht es eigentlich sogar Spaß. Faszinierend!

Ganz neue Töne

September24

Da öffnet man nichtsahnend an einem etwas trüben Urlaubstag man den Uni-Spiegel und schon kommen einem da ganz neue Töne von den unis zum Thema Promotionsrecht entgegen. Aktuell ist dieses Thema ja nicht erst seit dem Bologna-Prozess. Durch die Gleichmachung der Abschlüsse von Unis und FHs, hat die Diskussion um das Promotionsrecht aber erst in letzter Zeit wieder frischen Wind bekommen. Bis vor etwa einem Jahr war mit persönlich diese Diskussion noch egal. Jetzt aber, wo ich gesehen habe, wie es “draußen” abkäuft, habe ich eigeltich schon keine große Lust mehr auf die Arbeitswelt. Das wissenschaftliche Arbeiten liegt mir wesentlich besser und macht mir auch viel mehr Spaß, als dieser buisness-as-usual-Einheitsbrei.  Im Stuium habe ich Spaß aber kein Geld – auf der Arbeit hatte ich Geld aber keinen Spaß. Daher habe ich auch die Fühler mal ein bisschen ausgestreckt in Richtung PHD.

Auf diesem Wege ist mir auch bewusst geworden, wie schwierig es ist, aneiner FH ein Forschungsprojekt zu starten und dafür Gelder zu beantragen. Ein Forschungsetat von 200 000 Eoro im Jahr ist im Vergleich zu dem Budget einer Universiät wirklich lächerlich. Auch das im Artikel erwähnte “du musst es wirklich wollen”, habe ich schon selbst erfahren. Die im Spiegel als kooperationsbereit hingestellte TU-Darmstadt nimmt zwar Master-Absolventen der H_DA auf, legt ihnen aber doch ziemlich viele Steine in den Weg. Im Prinzip muss der PhD-Anwärter von der H_DA 2/3 des Masterstudiums noch einmal wiederholen. Da geht schonmal ein komplettes Jahr nur fürs studieren drauf. Von zusätzlichen Pflichten eines Doktoranden an der TUD, wie Praktika betreuen und Klausuren korrigieren mal ganz abgesehen. Das könnte eng werden mit den drei Jahren.

Trotzdem gibt mit allein die Medienpräsenz des Themas Grund zur Hoffnung, dass es für mich in etwa einem Jahr vielleicht gut aussehen könnte. Wer weis schon, was die Zukunft da bereit hält.