Die Schnabelforelle

Ein in schnell fließenden Datenstömen heimischer Netzfisch

Entzaubert

May28

Im Uni-Spiegel ist heute ein Artikel zu lesen, wie der Student Adam Wheeler sich fast einen der begehrten Abschlüsse gesichert hätte – mit Stpendium und ganz ohne gutes Elternhaus oder außergewöhnlicher Begabung. (zum Artikel)

Statdessen hat er das komplette Elite-Uni System in den USA zum Narren gehalten und sich an allen sagenumwobenen Tests mit Leichtigkeit vorbeigeschmuggelt. Auf diese Weise hat er es beinahe geschafft ein Studium in Harvard abzuschließen, ohne dafür einen müden Dollar investieren zu müssen. So genial ich diesen Coup finde, so schade finde ich es auch, dass Adam zu ehrgeizig wurde und durch etwas zu gute Referenzen aufgeflogen ist.

Bemerkenswert ist außerdem, dass Adman in Harvard nicht einmal besonders schlechte Noten hatte. Bei den Klausuren hat er nicht einmal geschummelt, sondern nur beim Zulassungsverfahren. Daraus könnte man auch schließen, dass ein Studium in Harvard nicht besonders schwer zu sein scheint. Jeder durchschnittlich Begabte kann es schaffen, wenn seine Eltern nur genügend Geld für die Uni haben. Das ist zwar in der Sache nichts Neues, der proof of concept fehlte aber bisher (Double-Bush mal nciht mitgerechnet). Dank Adam Wheeler ist es jetzt endlich offiziell:

Elite-Unis sind nicht einmal im Ansatz, was sie vorgeben zu sein. Das komplette Elite-Uni System ist von vorne bis hinten verlogen und dient einzig und allein dazu, die Reichen oben und die Armen unten zu halten. Die Lehre ist auch nicht besser als woanders und jeder durchschnittlich Begabte ist in der Lage einen Abschluss zu machen. Weiter so Adam!

Arbeitskraft im Ausverkauf

October10

Die auflagenstärkste deutsche Zeitung titelt heute “Lohn-Sauerei: Erste Chefs zahlen nur 1,50€ pro Stunde”. Zwar ist esschon fast ein Outing, öffentlich zuzuegeben, dass man diese Zeitung liest, aber nun ist es ja endlich raus.: Ja, ich lese Bild-Schlagzeilen. Und genau diese Schlagzeile war es, die mich daran erinnert hat, dass ich ja eigentlich noch etwas anderes bloggen wollte…

Ich war am Donnerstag im Supermarkt meines Vertrauens einkaufen, als ich ein Plakat von “Pit Stop” gesehen habe, das mich zum Nachdenken angeregt hat. Neben den üblichen saisonalen Sonderangeboten für Winterreifen und eine Klimainspektion (was immer das ist), gab es auch ein Plakat auf dem mit 50% günstigeren Arbeitstunden geworben wurde.  Ich weis zwar nicht, was der durchschnittliche Mechaniker bei Pit Stop pro Stunde verdient, ich kann mir aber vorstellen dass der Monatslohn wohl nicht gerade für die Luxusyacht auf Sylt ausreichen wird. Ich habe mich gefragt, ob die Mechaniker von Pit Stop dise Werbeaktion wohl auch so super finden, wie die PR-Abteilung dieses Unternehmens.

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Wir diskutieren derzeit über Mindestlöhne und darüber, dass Arbeitnemer trotz Vollzeit-Jobs noch mit Hartz4 bezuschusst werden müssen, weil ihr Einkommen unterhalb der Armutsgrenze liegt. Diese tatsache ist nichts Neues. Umso wichtiger finde ich, dass dieser Misstand endlich einmal von der Presse mit der Aufmerksameit bedacht wird, die er braucht. Da bereichern sich Privatunternehmen an öffentlichen Geldern, indem sie darauf vertrauen dass sie ihren Angestellten weniger zahlen, als zum überleben notwendig ist. Der Staat steuert ja den Rest zu. Und alle, die Geiz immernoch geil finden unterstützen diese Ausbeute auch noch.

Über Werbeslogans lässt sich ja streiten. Zumal sie ja häufig absichtlich zu Kontroversen abstacheln sollen.  Doch im Gegensatz zum nach einem Planeten unseren Sonnensystems benannten Elektronikfachmarkt, bekommt Pit Stop damit nicht die Kurve. Günstige Winterreiten inklusive Montage dank Ausbeutermethoden. Das ist ehrlich – und bitter.

Das Plakat hängt heute übrigens nicht mehr. Vielleicht haben sich ja noch andere daran gestört.

Gattaca – diesmal ohne Kino

August12

Erst vor 2 Wochen lief in der Sneak der Film Gattaca, zu dem ich im Blog auch ein Review gecshrieben habe. Schon damals hat mich den Film sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe mir die Frage gestellt, wie unsere Gesellschaft mit der Möglichkeit, ein Genom effizient zu entschlüsseln, umgehen würde. Heute lese ich bei Spiegel-Online, dass die Analyse eines kompletten Genoms mit einer neuen Maschine theoretisch in 17 Stunden durchgeführt werden kann.

Erschrecknderweise steht bereits im Titel des Artikels ein Preis und auch im Verlauf des Artikeln scheint es wenige rum die wissenschaftlichen Möglichkeiten, als um wirtschaftliche interessen zu gehen. Anstatt den Platz mit Visionen von neuartigen heilmitteln zu füllen, lese ich immer nur “Preisverfall” und “Anteilseigner an Firmen”. Schon bei der zensurdebazzte hat sich gezeigt, dass die freie Wirtschaft nicht zu freier Gesetzgebung führt, das gewinnorientierte Unternehmen sich den staatlichen Vorgaben ohne Gegenwehr beugen um Gewinn machen zu können. Google in China ist dafür nur das prominenteste Beispiel.

Dieses Jahr soll in Deutschland die Gesundheitskarte eingeführt werden. Schon damit wid es schwieriger werden, die Krankendaten adäquat zu schützen. Der nächste “Datenskandal” ist da eigentlich nur eine Frage der Zeit.  Dass auch aus vergangenen Skandalnen absolut nicht gelernt wurde und der Handel mit Daten offensichtlich weiterhin ein lukeratives Geschäft ist, zeigt ein aktueller Artikel auf stern.de. Die Infrastruktur, das Genom auf der Karte zu speichern wäre also bereits vorhanden. Appetit auf die Krankendaten (genau wie auf Social Network Profile und peinliche Partybilder)  haben Unternehmen bei der Einstellung ja sowieso. Hoffentlich wird es beim Appetit bleiben. Ein reales Gattaca braucht wirklich niemand…

Gattaca

July30

Wegen der Umzugsaktion heute, musste ich gestern – trotz Urlaub – leider auf die Sneak verzichten. Zum Glück war es der letzte Mittwoch im Monat, sodass es ja auch eine Classic Sneak gab. Gesehen haben wir, wie bereits der Titel des Posts vermuten lässt, den Science Fiction Film Gattaca.

Im Film geht es darum, wie eine Gesellschaft, die das Genom eines Menschen innerhalb von Sekunden entschlüsseln kann, mit den dadaurch gewonnenen Erkenntnissen umgeht. In Gattaca werden alle menschen von geburt an registriert und sind in einer weltweit verfügbaren Datenbank wiederzufinden. Dabei wird zwischen den “validen” und den “in-validen” unterschieden. Die validen sind menschen, deren Genom auf ein langes Leben, gute Gesundheit und hohe Intelligenz hindeutet, wärend solche die beispielsweise ein erhöhtes Risiko zur Gewaltbereitschaft oder Herzproblemen als in-valide beeichnet werden. Obwohl es per Gesetz verboten ist, Menschen wegen ihres Genoms zu diskriminieren, werden Einstellungstests in der Weltraumakademie Gattaca aussließlich anhand solcher Kritereien gemacht. Nicht diejenigen mit Talaent oder Willen werden genommen, sondern nur die “fittesten”.

Obwohl der in-valide Vicent gerne Astronaut werden möchte, bekommt er nie die Chance dazu, da es durch seine fehlerhaften Gene zur Unterschicht der gesellschaft zählt. Erst ein halbseidenes Geschäftmit dem Querschnittsgähmten Jerome verhilft ihm zu einem Wendepunkt im Leben.

Gattaca hat in Zeiten von Zensur, Designerbabys, 2-Klassen Medizin  und der Diskussion über die Macht von Google einiges an Aktualität gewonnen. Obwohl der Film bereits über 10 jahre alt ist, macht die Vision vom entschlüsselten Menschen sehr nachdenklich. Soziale Diskriminierung gab es schon immer und in Zukunft wird sichdie Schere zwischen arm und reicht noch weiter öffnen. Vielleicht ist der Stoff, aus dem Gattaca ist also garnicht soweit hergeholt. Eine Veranlagung zu solchem Verhalten besitzt die Menschheit jedenfalls. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass wir technisch niemals in der Lage sein werden, ein Informationssytem wie das in Gattaca flächendeckend zu installieren.

Proteste für Millionen

July23

Keine Ahnung woran das liegt, aber in letzter zeit mache ich mir doch recht viele Gedanken über gesellschaftliche Themen wie Arbeitskultur und soziale Gerechtgkeit. Jetzt, wie “Die Krise” in vollem Gang ist, lese ich häufiger von Massenentlassungen. Wenn es so viele Konzernchefs wie Arbeiter gäbe, könnte man glaube ich auch in den Chefetagen von Massenentlassungen sprechen. So rollen eben nur ein paar Köpfe, die genau so viel kosten wie die Arbeitslostigkeit tausender.

Während das Entlassungschreiben für einige eine persönliche Katatrophe ist, bekommen die “Verantwortungsträger” für ihre Verantwortungslosigkeit noch Millionen Abfindungen gezahlt. Bei den Abfindungen der Arbeiter dagegen wird wegen der Spaßmaßnehmen um jeden Euro gekämpft. So gingen in den letzten Wochen die Arbeiter von Micherin auf die barrikaden und hielten ihre Chefs sogar fest um ihre Arbeitsplätze zu retten. In einem anderen französischen Betrieb drohten die Arbeitnehmer sogar mit der Sprengung der Produktionshalle, wenn die Firme ihnen keine angemessene Abfindung in Höhe von 30000€ zahlt.  Im Verhältnis zu Ex-Porschevorstands Wiedekings 250 Mio ein geradezu lächerlicher Betrag (Quelle: Spiegel-Online). Wie gut, dass wir wenigstens wissen wo das ganze Geld bleibt, für das die Arbeiter kämpfen müssen.

Obwohl Gesine Schwan vor einigen Monaten die Revolution heraufbeschworen hat, scheint die deutsche Arbeitnehmerschaft alle Entlassungen eher mit Fassung zu tragen.  Dass es aber geradean sozialen Brennpunkten bodelt, zeigt ein fernsehbericht von gestern Abend in dem über Anschläge auf kuxuriöse Eigentumswohnungen in Berlin-Kreuzberg ging. Die zu schicken Apartments renovierten Altbaten erregen die Gemüter von linken  Aktivisten, die ihrem Unmut über diese klaffende soziale Lücke  mit Bransätzen und Parolen Luft machen.

Im Spiegel-Spezial “Wir Krisenkinder” wird kritisiert, dass die Ungerechtigkeit am Arbeitsmarkt von uns als unabdingbar hingenommen wird. Um mir mal an die eigene Nase zu fassen – wenn ich zwischen ALG2 und einem Praktikum wählen kann, entscheide ich mich schon aus ethischen Gründen lieber für letzteres. Ich glaube zwar nicht, dass es meine Chancen am Arbeitsmarkt erhöht, andererseits ist es besser überhaupt irgendwas zu tun. Die Idee mit der leistungsorientierten Beazhlung ist sowieso Quatsch.  Wenn wir auf einer Grundlage messen, die garnicht messbar ist kommat natürlich auch nichts gerechten dabei heraus.  Den Beweis, dass  die Hochbezahlten auch die  Leistung brigen (und im Bezug aus was eigentich?), welche ihre Gehälter rechtfertigt, werden sie uns wohl schuldig bleiben.