Die Schnabelforelle

Ein in schnell fließenden Datenstömen heimischer Netzfisch

Wochenrückblick

August21

Die erste Woche der Bearbeitungszeit hier in Norwegen ist rum. Eigentlich schon seit gestern, aber wenn die die Tage vom Ablauf her nicht groß voneinander unterscheiden, verliert man leicht das Gefühl dafür welcher Wochentag gerade ist. Erst als ich heute Nacht um 4 mal wieder vom Feueralarm geweckt wurde, hat mir ein Kollege unten vor der Tür erzählt, dass schon wieder Samstag sei.

Die letzte Woche kam mir trotzdem sehr lang vor. Ich habe schlecht geschlafen und viel gearbeitet. Einen Ausgleich zur Arbeit gibt es hier kaum. Wenn ich also Abends im Zimmer sitze und gerade keine Lust auf Ruckel-WoW oder die ZDF Mediathek habe, arbeite ich eben weiter. Dumm ist, dass ich dadaurch irgendwie unkreativ werde und mir dirskrete Fourie-Transformationen und partielle Ableitungen jetzt schon langsam zu den Ohren heraus kommen. Es muss also drigend mal ein bisschen Abwechslung her. Heute ist das Wetter zum Glüpck ganz schön und es fahren noch Busse (Das ist Sonntag leider nicht so). Ich werde es also mal mit ein paar Stunden gammeln am See probieren, einen Kaffee im CC trinken gehen und danach brav eine norwegisch-Vokabeln lernen.

Allen in Allem bin ich hier schon etwas alleine. Die Preise für alle alkoholischen Getränk sind hoch und kaum einer kann es sich leisten, in eine Kneipe zu gehen. Daher finden das eh schon kaum vorhandene Nachtleben hier in Privatwohneungen statt, wo man eben als Neuling nicht so einfach mal hin kommen kann. Dazu kommt, dass ich meinen Schatz schon sehr vermisse. Auch wenn es im Laufe der Woche etwas besser geworden ist – gewöhnen werde ich mich daran wohl nie. Technische Errungenschaften wie Skype lindern solche Sehnsüchte etwas – leider aber nur vom Anfang bis zum Ende der Skype-Session.

Jetzt freue ich mich aber auf ein paar Stunden ohne Papers und Arbeit und mache mich langsam auf den Weg runter zum See – Auch wenn es dort wohl nicht wieder so schön sein wird, wie als mein Schatz noch hier war.

Angekommen

August4

Der Weg von Oslo nach Gjøvik ist zwar nur etwa 130km lang, zieht sich dafür aber die Kaugummi. Die “weiße Stadt am Mjøsa” ist aus Oslo kommend nur über eine recht schmale Straße zu erreichen, die in ziemlich schlechtem Zustand ist. Der Blick auf den See während der Fahrt, entschädigt dafür allerdings hinreichend. Auch Gjøvik selbst liegt wirklich malerisch am nördlichen Ende des Sees.

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So bin ich jetzt also nach 3-tägiger Reise an meinem Zielort angfekommen, wo ich nun die nächsten Monate verbringen werde. Das Zimmer ist für ein Studentenwohnheim ungewohnt sauber und unerwartet groß. Die Gebäude liegen direkt am Hang, sodass ich eine tolle Aussicht auf den See habe, wenn ich etwas schräg aus dem Fenster schaue. Das Zimmer ähnelt zur Zeit noch eher einem Krankenhaus. Vor allem der giftgrüne Linoleumboden ist innenarchitektonisch betrachtet ein riesen Highlight, das ich mit einem Teppich etwas kaschienen werde. Außerdem fehlen hier ein (ordentlicher) Mülleimer, ein Bild für die Wand über dem Bett und eine Leselampe. Das werde ich wohl noch nachrüsten müssen. Es gibt nichts Wichtigeres als eine ordentliche Heimatbasis.

Apropos Heimatbasis. Meinen Arbeitsplatz an der Uni kann ich morgen auch schon beziehen. Die Master-Studis sitzen in einem Gemeinschaftsraum an etwas abgetrennten Schreibtischen. Einige davon stehen am Fenster mit direktem Blick auf den Mjøsasee. Schöner kann man eigentlich garnicht arbeiten. Hier werde ich nächste Woche mal damit anfangen, die lange Liste an Literatur zu Sichten, die ich in meinem Material vorgefunden habe.

Der Kaffee in Norwegen bewegt sich von der Qualität übrigens irgendwo zwischen unterirdisch und desaströs. Ich weis nicht, wie die norweger es schaffen die arme Kaffeebohne so zu vergewaltigen, dass der Kaffee derart bitter und nach verbrannter Milch schmeckt. Umso mehr habe ich mich über den Espressokocher mit passendem Zubehör gefreut, den mein Schatz auf einmal aus seiner Tasche gezaubert hat. Wenigstens die ersten Wochen gibts also gescheiten Kaffee – und danach hoffenltich Care-Pakete.

Für alle Fotofetischisten habe ich schonmal eine Auswahl von Bildern aus Oslo in eine gleichnahmige Gallerie gestellt. Viel Spaß beim durchstöbern, ich geh jetzt schlafen. Sonst seh ich auf den Fotos von morgen so müde aus.

Erstes Mal

August1

Für alles gibts ein erstes Mal. Für mich ist es heute das erste Mal gewesen, dass ich in Norwegen war – bzw immernoch bin. Heute morgen um 9 hat die Fähre in Göteborg angelegt. Gestern bei der Abfahrt aus Kiel habe ich etwas wehmütig zur Kieler Förde zurück geschaut. Immerhin werde ich Deutschland ja nun bis Mitte Oktober nicht wieder sehen. Lacht mich nur aus, aber so lange war ich noch nie von Zuhause weg. Das war schon komisch, als das Denkmal von Laboe hinter dem Horizont verschwunden war. Immer wenn man woanders hin geht, muss man etwas zurücklassen, das einem lieb und teuer war.

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Ich habe in der Kajüte noch die ganze Nacht darüber nachgedacht. Schlafen konnte man bei dem Krach ja ohnehin nicht besonders gut. Am nächsten Morgen allderings war im wahrsten Sinne des Wortes wieder Land in Sicht. Aus dem Nebel ist die schroffe Küste von Schweden aufgetaucht und mir ging es dann irgendwie auch schon wieder etwas besser. Die schwedische KÜste sieht aus, als hätte jemand die Alpen unter Wasser gesetzt, sodass nurnoch die Gipfel oben herausgucken. Zusammen mit den bunten Häusern sieht das wirklich nett aus.

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Von Göteborg aus sind es etwa 300km bis Oslo. Das dauert bei schedischen Straßenverhältnissen etwa so lange wie von Hannover bis Kiel im Stau zu stehen. Wer bei 80 km/h durch die Langschaft schleicht, bekommt dafür viele Bäume und bunte Häuser, aber keine Elche zu sehen.

Der erste Eindruck von Oslo ist gut. Trotzdem habe ich schon prunkvollere Hauptstädte mit schöneren Palästen gesehen. Bemerkenswert ist das Tunnelsystem, mit dem die Städtebauer wohl versucht haben, den Verkehrskollaps in der Innenstadt zu verhindern. Schade – hat nicht funktioniert, macht Autofahren in der Stadt aber zu einem echten Erlebnis.

London – in a nutshell

March7

Nach einer anstrengenden Woche stand heute unser erster freier Tag hier in England an. Fest eingeplant war natürlich ein Ausflug ins etwa 1 Stunde Zugfahrt entfernte London. Da wir ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt haben, sind wir leider erst gegen Mittag in der englischen Hauptstadt angekommen.

Ganz oben auf meiner Agenda stand ein Besuch in der Westminster Abbey. Bei meinem ersten Besuch in London vor ein paar Jahren war ich dort nicht drin und habe es im Nachhinein bereut. Wenn ich also ohnehin schonmal da bin, wollte ich dieses Versäumnis nachholen. Dummerweise macht die Westmindester Abbey an Samstagen schon um 13:30 zu, sodass wir etwa 5 Minuten zu spät waren. So wurde es also mal wieder nichts mit Westminster Abbey. Zur Entschädigung gabs wieder mal ein Foto der Außenfassade. Ich werde also wohl noch ein drittes Mal nach London kommen müssen. Ich liebe es, solche Luxusprobleme zu haben :)

Anschließend ging es zum Hyde Park, die lustigen Prediger besichtigen. Die wiederum hatten heute wohl frei. Wir haben jedenfalls keine Prediger geshen. Vielleicht sind die aber auch nur Freitags da. Der Hyde Park jedenfalls ist an und für sich ein tolle Angelegenheit. In Mitten einer Millionenstadt, eine solch weitläufige Grünfä¤che zu haben, kann man getrost als dekadent bezeichnen. Schön ist es allemal und der englische Rasen ist selbstverständlich top gepflegt. Da wird jeder Kleingärtner gelb (und nicht grün!) vor Neid.

Den restlichen Nachmittag haben wir damit verbracht, die üblichen Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, überall ein Bild zu machen und dann weiter zu ziehen. Bei meinem ersten Besuch in London habe ich definitiv mehr von Allem gehabt. Aber dafür hatte ich auch mehr Zeit.

Von der Schönheit der Gebäude her kommt London ohnehin nicht an Cambridge heran. Deswegen werde ich mir morgen noch einmal die Zeit nehmen, mir Cambridge in aller Ruhe anzusehen. Auch hier gibt es für mich noch einiges zu entdecken. Langweilig wird mir bis Montag also bestimmt nicht :) . Für alle daheim gebliebenen habe ich die Bilder von heute mal in die Galerie hochgeladen (klick!).

God s(h)ave the Queen…

March2

Der erste ganze Tag hier in Cambridge ist jetzt um. Er fing früh an und hat erst ziemlich spät wieder aufgehöt. Dazwischen lag ein langer Tag voll neuer Eindrücke, neuer Leute und vielen interessanten Diskussionen und Gesprächen. Heute Abend bin ich ungefähr so müde wie nach dem Wackeligen Flug durch Xynthia. Das Sturmtief hat unser Flugzeug vor Allem beim Start und bei der Landung ordentlich durchgeschüttelt.

Unser Apartment ist wirklich super. Es ist eine komplett ausgestattete Wohnung mit Splülmaschine und Herd. Alles ist recht neu, sodass es auch wirklich modern und gemütlich aussieht. Allzu viel Zeit die schöne Wohnung zu genießen, wird aber wohl auch im Velauf der restlichen Woche nicht sein. Wir haben arbeitsmäßig noch einiges auf dem Programm stehen. Aber andererseits: Sowas Dekadentes wollte ich mir schon immer mal leisten :) KingsCollege2_resize

Ebenso dekandent war das Mittagsessen im Kings College. Wer schon immer mal in einem Gebäude essen wollte, das aussieht wie eine gothische Kirche, der ist hier genau richtig. Die Fenster sind mit verschiedenen Wappen bemalt, die Decken sind aufwendig verziert und die Wände schmücken Portraits von verschiedenen Wissenschaftlern. Im Prinzip sieht es aus wie in den Harry Potter Filmen. Auch wenn das Essen nicht überragend war – diese Atmosphäre entschädigt für einiges. Es ist irgendwie ein erhabenes Gefühl, dort zu essen, wo auch Alan Turing mal gesessen hat.

Überhaupt ist die ganze Universität in Cambridge vollgestopft mit Geschichte. Im Raum unter Uns haben Crick und Watson gearbeitet. Die zwei Jungs entdeckten 1952, dass DNA eine Helix-Struktur hat. Ein Gebäude weiter arbeitete James Clerk Maxwell. Den Freunden der Physik dürften die nach ihm benannten Gleichungen ja ein Begriff sein. :)

Leider bin ich heute Mittag nicht dazu gekommen, das schöne Wetter für ein paar Fotos zu nutzen. Da mir das aber sonst keiner glaubt, habe ich später nochmal eine Runde zwecks Beweisaufnahme gedreht. Morgen mache ich ein paar  bessere Bilder.