Die Schnabelforelle

Ein in schnell fließenden Datenstömen heimischer Netzfisch

Frequent Flyer – Mitdenken Hilft!

March18

Ich verbringe ja nun schon seit fast 2 Jahren einen beachtlichen Anteil meiner zeit auf Flughäfen oder in Flugzeugen. Angesichts der Passagierzahlen von Fraport scheine ich da nicht die Einzige zu sein. trotzdem führen sich einige Mit-Flieger immer wieder so auf, als hätten sie noch nie zuvor einen Check-in gemacht, Security-Striptease gespielt oder geschweige denn ein Flugzeug von innen gesehen.

Das geht schon beim Ticket-Automaten los. Was an ERST Ticket ausdrucken und dann erst Gepäck aufgeben ist nicht zu verstehen? Das ist ja nun schon seit Jahren so und steht überall in allen möglichen Sprachen angeschrieben. Es gibt manchmal sogar einen Futzi an der Gepäckaufgabe-Schlange der das kontrolliert und freundlich darauf hin weist. Ich frag mich jedes Mal, was es da eigentlich zu diskutieren gibt. In der Schlange selbst stehen sie dann und regen sich auf dass es lange dauert bis sie endlich dran kommen. Einige Zeitgenossen ärgern sich sogar so sehr, dass sie vor lauter ärgern dann vergessen, zum Schalter zu gehen. Wenn alle mehr lesen, weniger meckern und besser aufpassen würden, dann wären alle schneller fertig.

An der Security geht der Wahnsinn dann auch gleich weiter. Solange ich mich erinnern kann muss man seine Jacke ausziehen und sein Notebook aus der Tasche nehmen. Für die dies nicht wissen laufen Videos in der Dauerschleife. Wieso zum Geier muss die arme Sau an der Security das dann jedem 3ten Dödel nochmal genau erklären? Außerdem sollte doch jeder wissen, dass das lustige Türchen durch das man durch muss ein Metalldetektor ist. Wieso ziehen die Leute dann nicht einfach gleich ihren Gürtel oder Schuhe mit Schnallen aus? Beim warten hat doch wirklich jeder genug zeit, sich zu überlegen, was er alles an hat und es einfach gleich in die Box zu legen, anstatt die Ehrenrunden zu drehen.

Die Krönung des Ganzen ist aber immer noch im Flugzeug selbst. Es sollte jedem bekannt sein, dass es in der Holzklasse in handelsüblichen Verkehrsflugzeugen recht eng ist. Wieso zum Geier nehmen die Leute dann ihre halben Hausstand mit in die Kabine? Und wenn das schon sein muss, wieso stellen sich alle direkt in den Gang zum Verstauen, wenn die Sitze darunter noch frei sind? So viel räumliches Vorstellungsvermögen sollte doch erwarten können, dass er verstehen kann, dass immer nur einer im Gang stehen kann. Das schwere Gepäck muss dann natürlich noch so unökonomisch in die Fächer geräumt werden, dass nicht einmal mehr eine Jacke hinein passt. Oder aber der ganze Bettel fällt mir dann entgegen – dafür muss ich mich dann noch an maulen lassen, weil ich das fache “unvorsichtig” geöffnet habe.

Dasselbe Problem ergibt sich übriges auch umgekehrt beim Aussteigen. Wenn schon schweres Gepäck mit in die Kabine nehmen muss, wieso müssen dann ausgerechnet diese Leute zuerst aussteigen? Und noch ein Tipp für die Vorne-Sitzer: Während ihr euch gemütlich die Kleidung richtet und den Lidstich gerade zieht, warten ~20 Leute hinter euch, die ganz gerne mal aus Klo würden.

Zum Kistenschleppen Gerade Gut Genug

December24

Es zeichnete sich schon ab, dass Silvester 2012/2013 eine recht trautige Veranstaltung werden würde. Trotzdem gebe ich ja die Hoffnung, dass sich alles schon finden wird nie auf. Pünktlich zu Weihnachten darf ich diese Hoffnung nun aber auch beerdigen und ich überlege mir, was eigentlich schief gegangen ist.

Es ist zunächst mal nichts ungewöhnliches daran, dass sich die Planung für Silvester erst zwischen den Jahren wirklich konkretisiert. Umso überraschender ist es also, dass es dieses Jahr schon so früh fest steht, dass ich diesen Jahreswechsel wohl zuhause vor dem Fernseher verbringen werde. Ich habe immer viel Wert darauf gelegt, solche Feste mit den leuten zu feiern die mir wichtig sind. Gleichzeitig habe ich mich der Illusion hin gegeben, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Die mag einmal der Fall gewesen sein, doch ging das Jahr 2012 ganz offensichtlich nicht spurlos meinen Freundschaften vorbei. Was die letzten Jahre immer ein schöner gemeinsamer Abend mit gutem Essen und Wein war, ist für die Herrschaften nun nicht mehr schick genug. Es sind nun andere Dinge interessant, in denen ich keinen Platz mehr habe. Diese Tatsache ist nicht neu, an Tagen wie Silvester aber tritt sie sehr deutlich zum Vorschein.

Fairerweise muss ich sagen, dass sich hin und wieder schon noch jemand von den Herrschaften meldet. Zum Beispiel wenn es ums Kisten schleppen geht, oder darum, sich beim EM-Zelt einzuladen. Auch als Begelitung für die Sauna tauge ich noch ab und zu, aber das wars dann auch. Ich würde ja was sagen, wer kann schon den Lauf der Dinge aufhalten. Vermutlich ist mein Verständnis von Freundschaft ebenso altmodisch, wie meine Vorstellungen zum Verhalten bei der Weinprobe und beim Absagen bei Einladungen.

Vermutlich liegt es in der Natur der Sache, dass man sich genau so zufällig auseinander lebt, wie sich die Wege vorher mal gekreuzt haben. Ein Abschied bedeutet das Ende von etwas Altem und gleichzeitig einen Anfang von etwas Neuem. Genau darum wird Silvester ja auch gefeiert, nicht wahr?

 

 

 

Realitätscheck

November25

Das mit den runden Geburtstagen ist ja so eine Sache. Einerseits ist nicht mehr zeit, sich was einfallen zu lassen als sonst auch. Andererseits sollte es ja schon etwas Besonderes sein, schließlich wird man ja auch nicht jeden Tag 30. Ich habe recht viel zeit damit verbracht, mir etwas Schönes zu überlegen und dachte eigentlich, dass ich eine tolle Idee hatte. Den Plan mit der gemeinsamen Weinprobe und einen anschließenden Essen fand ich bis heute Mittag ehrlich gesagt wirklich gelungen. Ich kann verstehen, dass nicht jeder meine Ideen genauso toll findet wie ich, aber manchmal muss ich mich über das Verhalten (Manieren wäre hier das falsche Wort) meiner “Freunde” schon sehr wundern.

Da wo ich her komme, gilt es als unhöflich wenn man kurzfristig noch am selben Nachmittag absagt. Besonders unhöflich ist es, sich dann nicht mal eine Ausrede einfallen zu lassen, sondern die Absage mit einem lapidaren “bin zu müde” (will heißen: du gehst mir am Ar*** vorbei) zu begründen. Ein solches Veralten ist sogar noch verletzender, als kommentarlos einfach gar nicht zu kommen, obwohl man vorher zugesagt hat.

Zudem ist es in meiner kleinen Welt auch nicht gerade passend, während der Weinprobe die ganze Zeit mit seinem Handy rum zu spielen und sich während der Erklärungen des Winzers über die Fotos vom den letzten Urlaub zu unterhalten. Nicht, dass es mich nicht interessiert hätte, aber die Urlaubsbilder samt Kommentaren wären beim Essen deutlich passender gewesen. Von dieser furchtbaren Angewohnheit, mindestens 30 Minuten zu spät zu kommen und damit alle anderen warten zu lassen, will ich hier lieber gar nicht anfangen.

Eigentlich wollte für alle meine Freunde heute Abend eine schöne Feier veranstalten. Vielleicht habe ich auch einfach zu viel erwartet. Ich dachte eigentlich, dass wir alle keine 12 mehr sind und deswegen in der Lage sein sollten, spontane Impulse nach Ablenkung oder Mitteilung zumindest einmal 60 Minuten lang unter Kontrolle halten zu können. Insbesondere dann, wenn wir jemandem damit auf die Füße treten würden (Vorausgesetzt, wir legen Wert darauf, diesem Jemand nicht auf die Füße zu treten). Was die anderen Dinge angeht, bin ich wohl einfach nur altmodisch.

Es war das erste Mal, dass ich mal in diesem Umfang einen ausgegeben habe – und das letzte Mal war es auch. In Zukunft wird die Runde kleiner werden, als sie es heute war.

Velkomen tilbake i Gjovik

October1

Eigentlich ist ja seit spätestens Januar dieses Jahr klar, dass ich tatsächlich noch einmal zurückkommen werde nach Gjovik. Ehrlich gesagt hatte ich heute Morgen ein komisches Gefühl dabei, aber nun wo ich im Bus sitze und auf den Mjosa-See schaue, freue ich mich doch darauf. Es ist tatsächlich schon über anderthalb Jahre her, dass ich das letzte Mal hier war.

An einige Annehmlichkeiten von Norwegen kann ich mich ganz schnell wieder gewöhnen – kostenloser Internetzugang an vielen öffentlichen Orten, wie diesem Bus zum Beispiel. Aber auch an die gute Stratos-Schokolade und die berühmt-berüchtigte Pizza Grandiosa.

Dieses mal wohne ich im Zentrum von Gjovik in einem Apartment mit eigener Koch-Nische und eigenem Bad. Dieser kleine Luxus ist zwar nicht besonders billig, aber wegen der angespannten Wohnungssituation habe ich trotzdem großes Glück, dass ich diese Wohnung so schnell haben konnte. Schön ist auch, dass das Gjovik CC, das Chaplin und das Kino in Laufreichweite liegen. So wird es auf jeden Fall Abends nicht langweilig werden.

Unterwegs bei den Pleitegeiern

July21

Dass Piräus kein besonders touristischer Ort ist merkt man spätestens dass, wenn man jemanden auf englisch nach dem Weg fragen will. Unser Busfahrer wurde sogar etwas grantig, nachdem wir ihn darum bitten wollte, den Straßennahmen unseres Hotels einmal vorzulesen. Auch die Restaurant-Besuche waren irgendwie witzig. Der Kellner kann so gut wie kein Englisch und eine englische Karte gibt es oft auch nicht. das hat zu recht durchwachsenen Ergebnissen geführt – einmal was es super und die beiden anderen Male immerhin ok.

Das griechische Essen ist generell sehr fettig und lag mir immer sehr schwer im Magen. Egal ob es nun der Fisch oder die Pita ist – offensichtlich wird alles erst einmal durch ein Bad in Öl getötet bevor man es serviert. Klar ist eo etwas immer Geschmacksache, mir persönlich hätte die halbe Menge Öl auch gereicht.

Ob Piräus wirklich eine Urlaubsreise wert ist, kann man bezweifeln. Allerdings hatte ich auch keine zeit gehabt, einen Ausflug zu den zahlreichen vorgelagerten Inseln zu machen. Athen selbst jedenfalls kann man sich durchaus mal geben. Die Akropolis ist wirklich beeindruckend, aber auch die anderen Tempel und das neu gebaute Akropolis Museum sind definitiv einen Besuch wert. Abends lohnt sich die Altstadt (Plaka) mit den schönen kleinen Restaurants und vielen Geschäften. In die Geschäfte sollte man aber nichts anfassen, weil die Besitzer einem dann sofort etwas aufschwätzen wollen. Außerdem sollte man bei dem ganzen Gedränge  seine Tasche immer genau im Auge behalten und sich auf einen fall von Fremden in ein Gespräch verwickeln lassen (auch nicht, wenn einer bloß nach dem Weg fragt). Sonst passiert es ganz schnell, dass Hady und Portemonnaie den Besitzer wechseln.  Außerdem kann ich de Park hinter dem Parlamentsgebäude empfehlen. Zum Parlament sollte man zur vollen Stunde gehen, wenn die Wache gewechselt wird. Das zugehörige Ritual mir diesen Bommeln ist etwas seltsam, aber auf jeden Fall ganz witzig anzuschauen.

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Wie viele Großstädte in Südeuropa ist auch Athen irgendwie schmuddelig, unaufgeräumt, chaotisch und überall stinkt es nach Abgasen. Während der Mittagshitze scheint die Stadt in ihrem eigenen Smog zu versinken. Ich finde, dass man sowohl in Piräus als auch in Athen sehr deutlich gesehen hat, dass es in Griechenland gerade nicht so rund läuft. Die Busse und bahnen sind heruntergekommen und viele Geschäfte, selbst mitten ein der Innenstadt stehen leer. Viele Häuser scheinen schon lange nicht mehr bewohnt zu sein und verfallen. In vielen Cafés sind sogar die Preise nach unten korrigiert worden.

Athen sollte man schon mal gesehen haben, aber wenn man mal da war, ist es eigentlich auch wieder gut. Dafür ist Athen im Vergleich zu anderen Hauptstädten aber sehr preiswert. Selbst in den touristengebieten gibt es gutes Essen für kleines Geld. Ich glaube aber, dass es sich für einen längeren Aufenthalt eher lohnt, sich ein Auto zu nehmen uns das Umland zu erkunden, als zu viel zeit in Athen selbst zu verbringen.

Fahrbarbar EM-Zelt

June21

Nach dem legendären Erfolg vom Fahrbarbar WM-Zelt 2010, gibt es dieses jahr zur EM das EM-Zelt 2012. Wieder mit dabei sind die EM-Couch, der Prono-Grill und der Jubel-Teppich. Dieses Jahr neu sind Leinwand und Beamer und der Anbau am Eingang.

Biometrics Summer School 2012

June16

Eine anstrengende und ereignisreiche Woche auf Sardinien gehet heute für mich zu Ende. In den letzten 5 Tagen habe einige “Gesichter hinter den Papers” kennen gelernt und auch viele neue Leute getroffen. Allem voran nehme ich hiervon mit, dass sich Leute, die wirklich etwas drauf haben, gar nicht elitär oder herablassend verhalten (nach 9 Semestern TUD ist das eine neue Erfahrung für mich). Arun Ross oder Mark Nixon sind total nett und haben sich – trotz ihres vermutlich voll gepackten Terminkalenders – viel Zeit genommen, mit uns Teilnehmern zu diskutieren und uns allerlei Tipps mit auf den Wen zu geben. Vielleicht wird ja sogar etwas aus der Idee ein Verfahren für Gesichtserkennung von Ioannis Kakadiaris von der University of Houston auf die Ohrenerkennung zu übertragen. Er schien zumindest interessiert zu sein und die entsprechende Email an ihn ist auch schon verschickt.

In den Vorlesungen ging es vor Allem um Schnittstellen zwischen der Biometrie und der Forensik. Der Fokus der Vorlesungen lag bei Fingerabdruckerkennung, Gesichtserkennung und Spracherkennung. Es gab aber auch einige interessante Beiträge, in denen die Erkennungsleistung von Menschen und Maschinen genauer untersucht wurde und eine Diskussion über die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Erkennungssysteme. Diese große Bandbreite hat mir sehr gefallen und ich habe nebenbei auch einige interessante Dinge über die menschliche Wahrnehmung gelernt.

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Die Summer School fand in einem Ort Namens Capo Caccia statt, der im Nordwesten von Sardinien liegt. Die Hotelzimmer waren zwar recht einfach, aber sie waren sauber. Die technische Ausstattung des Hotels schien durch unsere Anwesenheit an ihre Grenzen gestoßen zu sein, sowohl was die Internetverbindung angeht als auch die Mikrofone. Die Lage des Hotels allerdings kann man getrost als traumhaft bezeichnen. Es liegt auf einer kleinen Anhöhe in Mitten eines Naturschutzgebietes. Zum Programm der Summer School gehörte auch ein Ausflug mit dem Boot die Küste entlang. Leider hatten wir nur sehr wenig Zeit, uns in Alghero umzuschauen. Dafür aber war das Essen beim Conference Dinner dort ganz ausgezeichnet. So spontan wüsste ich jetzt gar nicht, ob ich schon einmal ein so gutes 5-Gänge-Menü gegessen habe.

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Ich sitze heute übrigens mal am Fenster der Flugzeuges und kann zwischen Flügel und Triebwerk hindurch gerade die Italienische Küste sehen. Es sieht interessant aus, wie die Wolken sich über der Landmasse sammeln. Um uns herum kann ich einige andere Flugzeuge sehen. Im großen und Ganzen ist der Flug recht ruhig – ich habe heute keine Panik, aber Angst habe ich trotzdem.

Tage wie dieser…

June6

Eigentlich sollte ich gut drauf sein. Mein Abstract wurde angenommen und nächste Woche kann ich auf die Biometrics Summer School nach Sardinien fliegen. Außerdem fängt die EM dieses Wochenende an und damit auch wieder die Zeit, in der bei uns im Garten immer viel los ist. Und trotzdem hat sich meine Stimmung heute so sehr dem Regewetter angepasst, dass ich nichts produktives zu Stande bringe.

Heute fühle ich den Druck, der eigentlich die ganze Zeit da ist, richtig schwer auf mir lasen. Dass mein PhD-Projekt, wie jede andere Abschlussarbeit auch, zum Gelingen verdammt ist. Wenn ich das nur immer so genau wüsste, ob die Dinge nun funktionieren wie ich das gerne möchte oder nicht. noch 7 Wochen bis zur nächsten Paper Deadline und der Code läuft noch nicht mal. Mit diesen ganzen Sachen im Kopf, fällt es mir schwer mich zu konzentrieren. Geschweige denn, was kreatives und innovatives zu Stande zu bringen. Der Cursor blinkt mich bloß an und der Kalender ermahnt mich, dass ich schneller arbeiten sollte.

Auch der Gedanke an das EM-Zelt kann mich heute einfach nicht trösten. Dazu gibt es zu viele unzuverlässige und unverbindliche Leute, von denen ich mal dachte, dass sie Freunde wären. Die haben nun alles kurzfristig was besseren zu tun und wollen nicht mehr mit helfen. Ich fühle mich wie ein kostenloser Partyservice, der zum Selbstkostenpreis Feste ausrichtet. Und der Rest wird sich wohl denken, dass sich schon ein anderer Depp finden wird. Vielleicht kommen wir ja zum feiern mal vorbei – vorausgesetzt wir finden nichts Besseres. Diese Unverbindlichkeit nervt mich eigentlich auch schon länger, aber an Tagen wie heute, wird mir mal wieder richtig bewusst, wie sehr ich mich hier eigentlich verarschen lasse.

Ich sollte vielleicht mal wieder Klarschiff im Kopf machen. Meine Erwartungen und Entscheidungen überdenken und – falls nötig – etwas daran ändern. Ich sollte mich weniger mit Gespenstern wie der Abschlussprüfung oder sonstigen Dingen, die schief gehen könnten beschäftigen. Klar wird dieses ganze Projekt PhD nicht leicht, aber unschaffbar ist es auch nicht. Es gibt einige Menschen, die glauben daran, dass ich das schaffe, und das obwohl sie mich kennen. Und selbst wenn es schief geht, wird die Welt sich weiter drehen. Das habe ich in ähnlicher Form ja schon einmal recherchiert…

Ich glaube, ich will ich solche Dinge wie unverbindliche Leute, nicht mehr um mich haben. Ich möchte es auch nicht mehr, allen recht machen (und unverbindlichen Leuten schon gar nicht). Ich wünsche mir mehr Wahrhaftigkeit von anderen Leuten und weniger Theatralik. Ich wünsche mir, dass ich mich auf diejenigen verlassen kann, die ich meine Freunde nenne.

Ich glaube ich geb’s für heute auf und fahre heim…

Danke Kristina

April20

Ein Mädchen aus gutem Hause wird an die Uni geschickt und studiert dort ein Laberfach. Und weil sie noch Kohle übrig hatte, schreibt sie noch eine Plagiation – äh Promotion – darüber und  lässt sich dann erst mal ordentlich feiern (oder lässt schreiben, aber wer will sich schon mit solchen Kleinigkeiten aufhalten?!). Dann schleimt sie sich bei CDU nach oben und landet schließlich als Quotenfrau im Familienministerium. Na, wisst ihr, wen ich meine?

Wer könnte es wohl besser nachvollziehen wie schrecklich das Leben einer Quotenfrau doch ist. Es ist sogar so schrecklich, dass man in seiner Verzweiflung einem überflüssigen Buch schreiben muss, indem sie ganz nebenbei ihr Scheitern im politischen Amt dokumentiert.  Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist sogar so verzweifelt, dass sie ihr eigenes Amt in beispielloser Selbstlosigkeit an die Ablehnung einer gesetzlichen Frauenquote knüpft. Stattdessen kämpft sie für Gleichberechtigung, indem sie Prämien für Leute zahlen, will die keinen Kita-Platz beanspruchen und erklärt und, dass Frauen selbst dafür verantwortlich seien, dass sie in Führungsetagen unterrepräsentiert sind. An solche Konservativen Äußerungen trauen sich nicht einmal mehr die größten Ober-Machos von der FDP. Diese Polemik vom Postfeminismus erinnert mich stark, an die pseudo-Gleichberechtigung in den USA und ich muss mich ernsthaft fragen, inwiefern diese Ministerin die Interessen von Frauen und Familien unterstützt. Untergraben wäre hier wohl die passendere Bezeichnung.

Ja, sie kann einem schon leidtun, die Kristina. Da sitzt sie nun in ihrer Villa herum und ist dabei so sehr mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt, dass sie ganz übersehen hat, dass nicht alle Frauen in Deutschland  so gute Chancen hatten wie sie. Aber es ist schließlich nicht ihr Problem, dass Frauen bei gleicher Ausbildung immer noch weniger verdienen als Männer. Und auch, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Mütter zermürbend ist, kann sich jemand der eine private Nanny hat natürlich nicht vorstellen. Ist ja schließlich ein toller Deal: Die Frauen verzichten einfach auf den ihnen zustehenden Betreuungsplatz und bleiben daheim. Das ist völlig ok, denn Frauen haben ja schließlich ohnehin ganz andere Ziele als Männer. Und sollte einer doch zufällig mal das gleiche Ziel haben wie ein Mann, dann muss sie eben auf Kinder verzichten. Und wenn Frauen einfach weiterhin durch gesellschaftlichen Druck von Führungspositionen ferngehalten werden, dann können die Führungsetagen weiterhin ihren Stiefel machen und nach einer Frauenquote fragt dann auch keiner mehr. Schließlich sind die Frauen ja selbst schuld, wenn sie es nicht schaffen.

Das Kristina konnte das natürlich nicht passieren, weil sie alles richtig gemacht hat. Sie wurde in die richtigen sozialen Verhältnisse hinein geboren, kennt dadurch die richtigen Leute und hat durch Frauenquoten (denn das ist die Gleichstellungsklausel de facto ja) einen Job, mit dem sie ausgesorgt hat. Im Leben hat alles einen Preis. Emanzipation muss man sich eben leisten können.

Danke Kristina, aber unsere Rolle in der Gesellschaft definieren will selbst.

Grüße aus der Karibik

November19

Letzte Woche kam bei meinen Eltern ein lustiger kleiner Brief uns Haus. Der Brief ist on Ivan Milosevic, den angeblich im Namen der Firma NTT Telco ein Inkassoverfahren gegen uns vorliegen hat. Angeblich hätte meine Eltern bei “Glücksfinder.net” ein Abo für Gewinnspiele gebucht, für das wöchentliche Kosten von 9,90€ anfallen. Eine Liste mit den angeblich fälligen Zahlungen liegt diesem Schreiben ebenso bei wie ein vorgefertigter Überweisungsträger an das Konto von “Compresent Erfurt GmbH”. Die Rechnung beläuft sich auf insgesamt 99€

Mal davon abgesehen, dass sich bei uns niemand daran erinnern kann, einen solchen Vertrag jemals abgeschlossen zu haben, klingt schon allein der Wortlaut des Anschreibens sehr dubios. Darin wird uns unter andere erklärt dass dieser mündlich zu Stande gekommene Vertrag dieselbe Rechtsgültigkeit habe, wie schriftliche Verträge, und dass wir als rechtschaffende Bürger doch sicherlich keinen Ärger mit Gerichtsvollziehern und Anwälten haben wollten. Bemerkenswert ist außerdem die kurze Zahlungsfrist, von nur wenigen Tagen. Der Sitz der Firma “Glücksfinder.net” befindet sich auf einer Insel in der Karibik, wo sie zusammen mit einem Haufen anderer Briefkastenfirmen wahrscheinlich in guter Gesellschaft ist.

Das Alles könnte mir relativ egal sein, wenn da nicht seit einigen Tagen diese unverschämten Anrufe mit Bandansagen wären. Seit 3 Tagen bekommen wir jeden Tag mindestens einen solchen Anruf. Dort fordern uns immer unterschiedliche Stimmen eindringlich dazu auf, nicht aufzulegen und mindestens ein Mal bis zum Ende zuzuhören. Sollten wir trotzdem auflegen, so die Ansage, werden die Anrufe nicht aufhören. In diesen Anrufen wird uns mit Gerichtsverfahren gedroht und es wird mal wieder an unsere Rechtschaffenheit verwiesen. In anderen Ansagen bekommen wir sogar mit Gewalt gedroht, sollten wir diese Rechnung nicht innerhalb eines Tages begleichen.

Im Netz gibt es ja schon genügend Informationen zu dieser Masche (u.a. hier oder hier) und im Grunde gibt es je auch keinen Grund zur Panik. Leider lösen diese Anrufe bei meiner Mutter trotzdem Panik aus. Die Nummer der Anrufer wird im Display natürlich nicht angezeigt, sodass ich die auch nicht einfach sperren kann. Das frustrierende ist leider, dass wenn nur 1% der Leute, die diese Erpresser-Anrufe bekommen haben, einfach zahlen damit die einen in Ruhe lassen, machen diese Kriminellen damit schon einen riesen Reibach.

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